Kategorie Ortsverband Schwarzach-Schmeilsdorf

Vortrag | Informationsveranstaltung 'Schockanrufe', vom 6.8.2026

Blick in den vollen Saal
Dieter Seuß, Margot Schütz und Dominik Klose im vollbesetzten Johannishaus. © M. Rottmann

Die Kirchengemeinde Schwarzach Willmersreuth Gärtenroth und der VdK OV Schwarzach-Schmeilsdorf organisierten im Johannishaus in Schwarzach eine Informationsveranstaltung zum Thema Schockanrufe, da sich in der jüngeren Vergangenheit auch in der näheren Umgebung zahlreiche solcher Anrufe gehäuft haben.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Margot Schütz von der Kirchengemeinde und von Dieter Seuß vom VdK übergaben sie das Wort an Dominik Klose von der Kriminalpolizei in Bayreuth, der diese Fälle auch bearbeitet und somit praxisnah erzählen konnte. Er freute sich, dass so viele Leute sich für dieses Thema interessieren, denn das Johannishaus war voll besetzt. Er begann mit einer Aufstellung in der man sah, wieviele Anrufe getätigt wurden, wieviele davon erfolgreich waren und wieviel Geld damit ergaunert wurde. So wurden in Bayern z.B. 2021: 16 Mio. €; 2022: 38 Mio. €; 2023: 26 Mio. € und 2024: 26 Mio. € durch diese Masche an Betrüger übergeben. 
Zwar sind die Fallzahlen rückläufig, aber die „Einnahmen“ bleiben im Vergleich dazu ähnlich hoch, was die Statistik für Oberfranken eindrucksvoll zeigt, denn hier wurden 
2022 von 4.000 Versuchen 350 vollendet und 2,1 Mio. übergeben; 
2023: 4.521 Versuche, 320 vollendet, 2,9 Mio. €; 
2024: 1.818 Versuche, 168 vollendet, 2,3 Mio. €; 
2025: 1.529 Versuche, 106 vollendet, 2,4 Mio.€.

Anschließend zeigte Herr Klose einen Film, in dem das Opfer eines solchen Schockanrufes über die Erfahrungen erzählt. Es sind auch Originalmitschnitte aus dem Gespräch zu hören, da der Anschluss des Betrügers zu der Zeit bereits abgehört wurde. Durch dieses Video bekam man ein Gefühl dafür, wie dieser Trick funktioniert, denn die Betroffenen werden stets unter emotionalen Druck gesetzt, geschickt ausgefragt und es wird eine Schweigepflicht vorgetäuscht, wodurch sie gar nicht die Zeit haben kurz zu überlegen was hier gerade passiert. Nach dem Film erklärte Herr Klose, das vom Anruf bis zur Geldübergabe häufig nicht mehr als eine Stunde vergeht. Oft wird das verlangte Geld als Kaution getarnt, was es aber in Deutschland nicht gibt. Die Betrüger rufen häufig aus dem Ausland an, aber sprechen sehr gut Deutsch, wodurch die Opfer oft den Betrügern eher vertrauen. Zudem wird über technische Tricks beim Anruf eine deutsche Nummer angezeigt, obwohl aus dem Ausland angerufen wird. 
Um die Frage „Warum ich?“ zu beantworten, erklärte Herr Klose, dass die Betrüger in Telefonbüchern nach älteren Namen und nach älteren Telefonnummern (mit drei bis vier Ziffern) suchen, aber es werden auch Todesanzeigen studiert, da dort oft die Namen der Kinder, Enkel oder anderer Angehöriger mit drinstehen. Der erfahrene Polizist sagte aber auch, das es jeden treffen kann und nicht nur ältere Personen. Bei den angezeigten Fällen gibt es auch eine hohe Dunkelziffer, da viele Leute aus Scham die Vorfälle nicht anzeigen. Zwei Anwesende erzählten auch, das sie selbst schon einen Schockanruf erhalten haben, die letztlich aber nicht erfolgreich waren. Herr Klose umriss auch andere Betrugsmaschen, wie Gewinn oder Erbe aus dem Ausland, falsche Internetshops, Phishing (Bankdaten abfragen), Anlagebetrug bei denen mit Prominenten geworben wird und Lovescaming (Heiratsschwindel). Um alle diese Maschen zu erläutern hätte die Veranstaltung allerdings wesentlich länger sein müssen. 

Zum Schluß gab Herr Klose noch wichtige Tipps zum Verhalten bei fragwürdigen Anrufen. Die beste Möglichkeit ist: auflegen! Denn: wenn etwas wichtig ist, wird nochmal angerufen -- was bei solchen Tricks aber nicht passiert. Weiter sollte man sich nicht mit seinem Namen melden, sondern mit „Hallo“. Auch sollte man keinesfalls „Ja“ sagen und auch sollte man keine persönlichen Daten verraten. 

Margot Schütz und Dieter Seuß bedankten sich für den sehr informativen Vortrag, dem die Anwesenden mit Applaus zustimmten. Herr Klose stand auch noch für Fragen zur Verfügung, bevor es im Pfarrhof noch einen gemütlichen Grillabend gab. 
Ein besonderer Dank gilt hier Ursula Eisenhut, Ruth Zapf, Andrea Rauh-Gruber, dem „Grillmeister“ Hans-Ulrich Gruber und Dieter Nussgräber für die musikalische Unterhaltung.

Text: M. Rottmann