Was bringt der Schwerbehindertenausweis?
Welche Vorteile bringt ein Schwerbehindertenausweis? Oder besser gesagt: Welche Nachteilsausgleiche bietet er Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen? Was bedeuten die oft rätselhaften Merkzeichen wie „aG“, „Bl“ oder „RF“? Wer kann so einen Ausweis beantragen – und wo gibt es Hilfe dabei?
Fragen über Fragen – beim monatlichen VdK-Nachmittag in der Taverne Korfu gab es auf all das verständliche und fundierte Antworten. Ursprünglich hätte Christine Graupner, Familienreferentin der Stadt Waldkraiburg, durch die Veranstaltung führen sollen. Krankheitsbedingt musste sie leider kurzfristig absagen. Doch der VdK Waldkraiburg fand schnell eine ebenso kompetente wie engagierte Vertretung: Rudolf Siegmund, stellvertretender Ortsvorsitzender, übernahm kurzerhand das Ruder.
Aus dem ursprünglich geplanten Thema „Was geht ab bei Familien?“ wurde ein informativer Austausch rund um den Schwerbehindertenausweis. Und das mit großem Erfolg: Schon nach wenigen Sätzen stiegen die Besucherinnen und Besucher lebhaft mit ihren eigenen Fragen ein. Es entwickelte sich eine spannende, praxisnahe Diskussion – fachkundig moderiert und ergänzt von Siegmund.
Viele Gäste zogen sogar spontan ihre eigenen Ausweise hervor – es wurde verglichen, gefragt, gestaunt: Wie hoch ist mein GdBkurz fürGrad der Behinderung (Grad der Behinderung)? Was bedeutet das Merkzeichen „aG“ genau – und was bringt es mir? Hier wurde besonders aufmerksam zugehört: Denn das „aG“ (außergewöhnlich gehbehindert) berechtigt unter anderem zum Parken auf Behindertenparkplätzen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein separater, blauer EU-Parkausweis, der bei der Stadt beantragt und gut sichtbar im Fahrzeug ausgelegt werden muss.
Wichtig: Der Ausweis ist nicht an ein bestimmtes Kennzeichen gebunden. Ordnungsdienste können anhand einer Prüfnummer im Ausweis kontrollieren, ob die berechtigte Person tatsächlich der Grund fürs Parken war – z. B. bei einem Arztbesuch.
Doch der Schwerbehindertenausweis kann noch mehr: Wer das Merkzeichen „aG“ besitzt, kann sich von der Kfzkurz fürKraftfahrzeug-Steuer befreien lassen oder alternativ für nur 104 € im Jahr ein bundesweit gültiges ÖPNV-Ticket (vergleichbar mit dem Deutschlandticket) erhalten. Für Menschen mit dem Merkzeichen „Bl“ (blind) oder „H“ (hilflos) ist dieses Ticket sogar kostenlos. Auch Empfänger von Bürgergeld oder Grundsicherung können unter bestimmten Voraussetzungen die Wertmarke kostenlos beantragen.
Weitere Merkzeichen wie „RF“ (Befreiung von der Rundfunkgebühr) oder „TBl“ (taubblind) wurden ebenso erklärt wie steuerliche Erleichterungen und praktische Vorteile, etwa beim Parken oder der Nutzung öffentlicher Einrichtungen. Die Teilnehmenden zeigten sich überrascht, wie viele Rechte und Hilfen sich hinter dem kleinen Ausweis verbergen – wenn man sie denn kennt!
Nach dem fachlichen Teil übernahm Ani Pitsch, Frauenbeauftragte des VdK, das Ruder. Mit einem Augenzwinkern forderte sie zum Mitmachen auf: „Kennt ihr noch Dingsda?“ – und schon startete ein heiteres Ratespiel mit Stichpunkten und Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben. Wie immer gab es dazu Kaffee, Kuchen – oder auch ein kühles Bier. Gemütlich, gesellig, informativ.
Unser Appell:
Kommen Sie doch auch mal vorbei – beim VdK-Nachmittag jeden ersten Dienstag im Monat um 14:30 Uhr in der Taverne Korfu in Waldkraiburg.
Ob mit oder ohne Ausweis: Es lohnt sich – für den Kopf, fürs Herz und für die Gemeinschaft!
