Kategorie VdK-Zeitung Gesundheit

Projekt für Parkinson-Erkrankte fördert Beweglichkeit, Selbstbewusstsein und soziale Kontakte

Von: Elisabeth Antritter

Wer den Kurs „Tanz mit Parkinson!“ besucht, erlebt weit mehr als Gymnastik: Musik, Bewegung und Gemeinschaft geben den Teilnehmenden neues Selbstvertrauen. Das Projekt wird von der Uni Augsburg mit einer Studie begleitet. 

In einem großen, hellen Saal sitzen Teilnehmende des Kurses „Tanz mit Parkinson!“ in einem Stuhlkreis. Sie bewegen Arme oder Beine und haben eindeutig Spaß an Bewegung und Gemeinschaft. Die beiden Tanzpädagoginnen Gabriella Gilardi und Serena Pettinari leiten das Projekt des Staatstheaters Augsburg. Im Hintergrund sitzt ein Musiker am Flügel, der die Gruppe begleitet.
Spaß an Bewegung und Gemeinschaft: Die Tanzpädagoginnen Gabriella Gilardi (Zweite von links)und Serena Pettinari (Dritte von links) leiten das Projekt „Tanz mit Parkinson!“. Ein Musikerbegleitet diesmal die Teilnehmenden am Flügel. © Jan-Pieter Fuhr

Die großen Fenster lassen viel Licht in den Raum. Vor der Spiegelwand sitzen Frauen und Männer im Kreis. Zwischen den roten Stühlen bleibt viel Platz. Dann erklingen die ersten Takte von „Singin’ in the Rain“. Arme strecken sich nach oben, als würden sie Regenschirme aufspannen. Alle folgen Tanzpädagogin Gabriella Gilardi.

Hier in der Ballettakademie DanceCenter No1 in Augsburg treffen sich montags 36 Menschen zum Kurs „Tanz mit Parkinson!“. Beim nächsten Lied „zeichnen“ sie mit kreisenden Armbewegungen Sonnenuntergang und Milchstraße in die Luft. Sternschnuppen fallen: Überall sinken ausgestreckte Zeigefinger zickzackförmig zu Boden. Dazu zischt und pfeift die Gruppe.

Nach dem Training sind alle außer Atem. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Die meisten freuen sich nun darauf, sich bei einem Kaffee in der Küche zu unterhalten. Es wird gelacht, über den Kurs gesprochen und nach dem Befinden gefragt. Für viele gehört dieser Austausch genauso zum Montag wie das Tanzen.

Lebensqualität steigt

Gilardi lehnt an der Ballettstange, während sie über „Tanz mit Parkinson!“ berichtet. Der Ursprung des Projekts liegt in New York: Dort entstand 2001 das Programm „Dance for PD“, das heute weltweit angeboten wird. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Serena Pettinari absolvierte Gilardi die Ausbildung, um das Konzept nach Augsburg zu holen. Seit der Spielzeit 2025/26 bieten sie den Kurs am Staatstheater an. „PD“ steht für die englische Bezeichnung der Erkrankung „Parkinson’s disease“. „25 Jahre Erfahrung haben gezeigt, dass Tanzen die Parkinson-Therapie unterstützt und die Lebensqualität verbessert“, sagt die gebürtige Italienerin. 

Das wöchentliche Treffen ist für die Gruppe ein Höhepunkt, so wie für die 83-jährige Inge. Ihr gefällt das Zusammenspiel von Choreografie, Musik und Bildern. Außerdem beflügelt die Herausforderung: „Ich merke dann: Ich kann trotz Erkrankung noch etwas Neues anfangen.“

Gilardi unterstreicht: „Es ist schön, wie Teilnehmende mehr und mehr Selbstbewusstsein entwickeln.“ Weitere Vorteile des Tanzens für Menschen mit Parkinson sind die Förderung von Koordination und Gleichgewicht: „Weil wir viele Bewegungen üben, die im alltäglichen Leben wenig trainiert werden, verbessert sich die Motorik.“ Tanzen sei aber auch für die Psyche gut, weil dabei Gefühle ausgedrückt werden, ergänzt sie. Nicht zu unterschätzen sei das soziale Miteinander, das sich positiv aufs Gemüt auswirkt.

Kein Richtig oder Falsch

„Wenn wir Sterne aus der Luft pflücken, gibt es kein Richtig oder Falsch“, betont die Tanzpädagogin. Sie beobachtet im Kurs immer wieder, dass die Erkrankung fast nebensächlich wird, weil die Lebensfreude überwiegt. „Die Teilnehmenden sind sehr dankbar, diesen geschützten Raum zu haben.“ Auch für die beiden Tanzpädagoginnen ist das Angebot bereichernd: „Wir lernen viele verschiedene Lebenswege kennen“, hebt Gilardi hervor.

Einige kommen als Paar, so wie die Burschyks. Die Tochter hat ihre Eltern auf das Tanzprojekt aufmerksam gemacht. Bei Hermann Burschyk ist während einer Reha im vergangenen Jahr Parkinson festgestellt worden. „Früher haben meine Frau und ich argentinischen Tango getanzt“, erzählt er. Hier kann das Ehepaar unter Berücksichtigung der Krankheit sein Hobby weiter ausüben. Der 76-Jährige merkt deutliche Verbesserungen: „Ich kann meinen linken Arm besser bewegen“, sagt er und fügt hinzu. „Das Tanzen gibt mir Kraft für die ganze Woche.“ Seine Augen leuchten.

Kontakt

Wer bei „Tanz mit Parkinson!“ mitmachen möchte, kann Tickets beim Besucherservice des Staatstheaters Augsburg erwerben (Kosten: 60 Euro, ermäßigt 40 Euro für Begleitpersonen). 

Der Kursblock Herbst 2026 mit sechs Terminen startet am Montag, 21. September. Die begleitende Studie der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Augsburg wird im Herbst ebenfalls fortgesetzt.

Mehr Infos per Telefon: 0162 2460391, E-Mail: Externer Link:plan_a@staatstheateraugsburg.de oder Web: Externer Link:staatstheater-augsburg.de