Chatbots sind kein Ersatz für Menschen
Ob mit oder ohne Rezept: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Medikamente zu bekommen. Neben den klassischen Apotheken vor Ort können Arzneimittel auch in Online-Shops oder rezeptfrei sogar in Drogerien erworben werden. Doch es gibt große Unterschiede beim Service der Anbieter.

Laut dem Externer Link:Statistischen Jahrbuch der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) aus dem Jahr 2026 nutzen drei Millionen Patientinnen und Patienten täglich öffentliche Apotheken zur Versorgung mit Arzneimitteln. 96 Prozent der Deutschen halten die Apotheken vor Ort für wichtig, die meisten sogar für sehr wichtig, und haben großes Vertrauen in die pharmazeutischen Fachkräfte. Neben der Abgabe von Fertigarzneimitteln gehört zu den Aufgaben der Apotheken auch die Herstellung individueller Rezepturen sowie wichtige Gemeinwohlpflichten, etwa der Nacht- und Notdienst. Die klassische Apotheke vor Ort bietet Patientinnen und Patienten viele Vorteile, denen Online-Apotheken wie Shop Apotheke oder Doc Morris nicht oder nur mäßig gerecht werden können. Zwar haben diese oft gute Angebote, doch viele Menschen schätzen vor allem die persönliche Beratung vor Ort. Dies spielt insbesondere eine wichtige Rolle bei der Poly- oder Multimedikation. Davon spricht man, wenn Patientinnen und Patienten parallel mehrere systemisch wirkende Medikamente dauerhaft einnehmen.
Über drei Medikamente
Etwa ein Viertel der Deutschen ist langfristig auf drei oder mehr Arzneimittel angewiesen, berichtet die ABDA. 7,6 Millionen Menschen ab 65 Jahren nehmen täglich fünf oder mehr verordnete Präparate ein – jede dritte Person zwischen 75 und 80 Jahren sogar mehr als acht. Ein strukturiertes Medikationsmanagement trägt dazu bei, die Risiken der Polymedikation zu verringern. So können mögliche Sicherheitsrisiken, wie etwa Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten, frühzeitig erkannt und vermieden werden. Das Apothekenteam erfasst dazu sämtliche angewendeten Medikamente und prüft deren Zusammenspiel. Anschließend wird ein aktueller, vollständiger Medikamentenplan erstellt, den die Patientinnen und Patienten mit nach Hause nehmen können. Online-Versandshops bieten zwar Chatbots oder telefonische Hotlines zur Beratung an, können aber eine persönliche Beratung vor Ort durch geschultes Fachpersonal nicht ersetzen. So zeigte ein Praxistest der „Externer Link:Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, dass die digitalen Assistenten mehrerer Versandapotheken einfache pharmazeutische Fragen teilweise nur unzureichend oder gar nicht beantworten konnten. Auch in Sachen Nacht- und Notdienst haben die lokalen Apotheken die Nase vorn: Wer spätabends oder nachts plötzlich erkrankt oder dringend Schmerzmittel benötigt, muss nicht auf die nächste Lieferung eines Online-Versandhandels warten.
Botendienste nutzen
Obwohl der Großteil der Patientinnen und Patienten die Apotheken vor Ort schätzt und regelmäßig besucht, ist die Entwicklung der Apothekenzahl in Deutschland besorgniserregend: Die Zahl sinkt immer weiter und hat Ende Juni mit 16 488 den niedrigsten Wert seit fast 50 Jahren erreicht, zeigen aktuelle Daten der ABDA. Allein 2025 gab es bundesweit 502 Schließungen. Der drastische Rückgang führt dazu, dass immer mehr Menschen längere Wege bis zur nächstgelegenen Apotheke in Kauf nehmen müssen. Wer mobilitätseingeschränkt ist oder wenig Zeit hat, muss nicht unbedingt im Internet bestellen. Viele Apotheken liefern die Medikamente auch kostenlos nach Hause. Die Beratung zu den Arzneimitteln erfolgt entweder persönlich vor Ort in der Apotheke, telefonisch oder bei der Übergabe durch pharmazeutisches Fachpersonal.