Ein kleines Plus an Lebensfreude
22 Ehrenamtliche absolvieren zweitägiges Seminar zum VdK-Pflegebegleiter in Neuburg an der Donau

„Das größte Geschenk ist nicht, was wir besitzen, sondern die Zeit, die wir geben.“ Dieses Motto verfolgen die 232 Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter des VdK Bayern bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit.
Reden, zuhören, gemeinsam spazierengehen, kleine Gefälligkeiten – durch ihre Anwesenheit schenken sie Pflegebedürftigen ein paar Stunden Zeit und ermöglichen zugleich pflegenden Angehörigen, eigene Termine wahrzunehmen. Kürzlich absolvierten 22 Ehrenamtliche ein zweitägiges Seminar in Neuburg an der Donau. Sie wurden von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des VdK Bayern sowie externen Referenten vorbereitet und begleitet und können nun das Amt ausüben.
Hoher Stellenwert
„Wir wollen Gesprächspartner für ältere, pflegebedürftige und auch jüngere Menschen und deren Angehörige sein. Die Angehörigen sollen durch die Anwesenheit des Pflegebegleiters entlastet und ermutigt werden, sich und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen“, betont Yvonne Knobloch, Leiterin des Ressorts „Leben im Alter“ beim VdK Bayern. „Pflegebegleiter schenken pflegenden Angehörigen Freiräume zum Aufatmen und Loslassen sowie zum Krafttanken für die Pflege.“ Angeboten wird von einer Pflegebegleiterin oder einem Pflegebegleiter Unterstützung von bis zu zwei Stunden pro Woche. „Das ist ein kleines Plus an Lebensfreude“, weiß Knobloch.
2012 gab es den ersten Ausbildungskurs zum VdK-Pflegebegleiter. Seitdem finden die zweitägigen Seminare regelmäßig statt. Dieses Ehrenamt hat einen sehr hohen Stellenwert bei den VdK-Kreis- und -Ortsverbänden. „Beim diesjährigen Seminar kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Ecken Bayerns“, erzählt Knobloch. Zunächst seien viele etwas angespannt und zurückhaltend gewesen, aber das habe sich schnell gelegt. Viele stellten Fragen und berichteten von eigenen Erlebnissen rund um die Pflege.
Im Seminar selbst hielten sich Theorie und Praxis die Waage. „Unser Ding ist es, nicht nur zu referieren, sondern die Themen auch richtig einzuüben beziehungsweise in der Runde zu diskutieren“, erklärt Knobloch. Ein Schwerpunkt war das Rollstuhltraining: „Uns ist wichtig, dass durch die Selbsterfahrung im Rollstuhl Empathie geschaffen wird. Außerdem macht das eigene Erleben Barrieren sichtbar.“ Auch das Thema Demenz kam zur Sprache. Beeindruckt war Knobloch von den vielen Rückmeldungen der Teilnehmenden: „Sie sagten, dass sie durch die Informationen einen neuen Blick auf Menschen mit Demenz bekommen haben. Aus Unsicherheit wurde Verständnis, aus Berührungsängsten mehr Sicherheit im Umgang.“
Ein weiteres großes Thema im Seminar war der richtige Umgang mit Sehschwächen. Dafür kamen Schlafbrillen zum Einsatz. Über Schluckstörungen referierte Stefanie Helmert. Die Logopädin ließ die Teilnehmenden einen Schluck Wasser im Stehen und im Liegen nehmen. So merkte jeder schnell, wie groß der Unterschied für eine bettlägerige Person ist, und man konnte sich gut in diese Situation einfühlen.
Lust aufs Ehrenamt
Mithilfe von Physiotherapeut Peter Roth wurden zudem rückenschonende Hebetechniken gezeigt. Im Kurs ging es außerdem um Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige: Denn pflegende Angehörige können durch den Entlastungsbetrag und weitere Leistungen der Pflegeversicherung gezielt unterstützt werden. Für Knobloch ist es wichtig, dass die Teilnehmenden am Ende des Seminars wirklich Lust auf das Ehrenamt haben. Denn alle werden am Schluss abgefragt, ob sie das Amt jetzt ausüben können und wollen, welche Aufgaben sie sich zutrauen und welche nicht.
