
Viele Betroffene werden nicht ernst genommen
Mädchen und Frauen mit Behinderung erleben überdurchschnittlich oft Gewalt. In einer Online-Podiumsdiskussion am 9. Dezember widmet sich der VdK Bayern diesem wenig bekannten Thema. Dunja Robin schildert die Problematik aus Betroffenensicht. Die VdK-Zeitung sprach mit ihr.

Dunja Robin wurde mit einer spinalen Muskelatrophie geboren und ist Leiterin der Geschäftsstelle der Externer Link:„Netzwerkfrauen Bayern“. Diese vertreten die Interessen von Frauen und Mädchen mit Behinderung in Bayern und beraten sie nachExterner Link: Peer-Prinzip.
Wo beginnt Gewalt gegen Frauen?
Neben der körperlichen gibt es weitere Formen von Gewalt, die häufig unsichtbar sind, jedoch genauso verletzend und folgenschwer sein können. Dazu gehört psychische Gewalt, also jemanden zu bedrohen, einzuschüchtern und zu demütigen. Auch sexualisierte Gewalt kann unterschiedliche Formen annehmen – von unerwünschten Berührungen bis hin zur Vergewaltigung. Gerade bei Frauen mit Behinderungen ist außerdem die systemische und institutionelle Ebene wichtig. Gewalt wird nicht nur von einzelnen Personen ausgeübt. Auch Strukturen können Menschen in ihrer Selbstbestimmung einschränken, ihnen Schaden zufügen oder Bedingungen schaffen, unter denen Gewalt wahrscheinlicher und Hilfe zu holen schwieriger wird.
Mädchen und Frauen mit Behinderung sind in besonderem Maße Gewalt ausgesetzt. Warum?
Wer beim Wohnen, bei Mobilität, Kommunikation, Körperpflege oder finanziellen Angelegenheiten auf andere angewiesen ist, kann sich einem Täter nur schwer entziehen. Viele Frauen mit Behinderung verfügen zudem über eingeschränkte finanzielle Ressourcen. Häufig fehlen barrierefreie Informationen über ihre Rechte und über Sexualität. Hinzu kommen institutionelle Machtgefälle, mangelnde Privatsphäre und die Erfahrung, nicht ernst genommen zu werden. Bei manchen Frauen erschweren
zudem Kommunikationsbarrieren, dass sie Gewalterfahrungen mitteilen können.
In welchem Umfeld passieren die häufigsten Fälle?
Es gibt nicht die eine typische Tätergruppe. Neben unbekannten Personen spielen auch Menschen aus dem sozialen und persönlichen Umfeld eine wichtige Rolle – darunter Partner, Familienmitglieder, Personen aus der Arbeit sowie in Einrichtungen. Daher halten wir Täterarbeit für sehr wichtig.
Warum setzen sich die betroffenen Mädchen und Frauen so selten zur Wehr?
Viele betroffene Frauen spüren nicht nur ganz deutlich, dass ihnen Unrecht angetan wird. Sie setzen sehr wohl im Rahmen ihrer Fähigkeiten Grenzen oder leisten Gegenwehr. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob sie damit gehört werden und anschließend wirksame Unterstützung erhalten.
Sie sind selbst von Gewalt betroffen? Hier finden Sie Hilfe und weitere Informationen:
Einladung zur Podiumsdiskussion
Anlässlich des Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen veranstaltet der VdK Bayern eine Online-Podiumsdiskussion zum Thema „Gewaltbetroffenheit von Frauen und Mädchen mit Behinderung“ am Mittwoch, 9. Dezember von 19 bis 20.30 Uhr.
Es diskutieren: Dunja Robin (Externer Link:Netzwerkfrauen Bayern), Katrin Eisenhofer (Externer Link:Frauennotruf München) und Claudia Weis (Externer Link:Institut für empirische Soziologie).
Die Veranstaltung wird in Deutsche Gebärdensprache übersetzt.Im Anschluss an die Diskussion können Sie Ihre Fragen an die drei Expertinnen stellen – auch in Deutsche Gebärdensprache.
Seien Sie live dabei! Die Veranstaltung wird auf Externer Link:unserer Website live gestreamed.
