
„Wichtig wie nie – Demokratie!“
3000 VdK-Mitglieder protestieren in München gegen den Sozialabbau

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Rente klaut!“ „Wichtig wie nie – Demokratie!“ Laut skandierend zogen VdK-Mitglieder vom Münchner Königsplatz durch die Maxvorstadt zum Siegestor. 3000 Teilnehmende aus ganz Bayern waren am 17. September bei der VdK-Demo dabei.
30 Busse aus allen Teilen des Freistaats sind von den VdK- Kreisverbänden organisiert worden. Andere Mitglieder kommen mit der Bahn oder zu Fuß. Viele bringen selbst gemalte Schilder mit. Orange Käppis, Tröten und Pfeifen gibt es vor Ort dazu. Auf dem Königsplatz, der Arcis-, der Schelling- und der Ludwigstraße ist ein regelrechtes VdK-Fahnenmeer zu sehen. Es ist „bunt und laut“, wie es sich Hermann Imhof in seiner Rede bei der Auftaktkundgebung gewünscht hatte.

Auf die Straße gehen
Hans und Angelika Langer und Erhard Höhler-Brockmann sind aus Kulmbach angereist, weil sie sich Sorgen machen, wie das alles weitergehen soll. „Man muss die Demokratie nutzen und auf die Straße gehen, sonst denken die Politiker in Berlin, sie können alles machen“, sagen sie, bevor sie mit ihren VdK-Fahnen losziehen. Hiltrud Völker aus Aschaffenburg sagt, dass endlich was passieren muss: „Nicht jeder kann bis zum Renteneintrittsalter durchhalten. Und viele haben ein Leben lang gearbeitet und bekommen doch nur eine niedrige Rente. Ich kenne eine Frau, die kann sich nicht mal die Zähne richten lassen. Es gibt immer mehr Armut bei uns.“
Die geplanten Pflegereformen regen die Menschen besonders auf. Die Kürzung der Pflegepunkte nennen manche schlicht „eine Sauerei“. Kevin Hahn, VdK-Mitglied aus Krailling bei München, ist mit seinem Handbike dabei. „Ich gehe demonstrieren, weil ich seit Jahren um einen höheren Pflegegrad kämpfe und es künftig noch schwieriger werden soll, einen Pflegegrad zu erreichen. Diese Reformen sind eine Frechheit. Das fördert die Spaltung der Gesellschaft“, ist er überzeugt.
Bei vielen Mitgliedern ist auf der Demo Aufbruchstimmung zu spüren. In der VdK-Gemeinschaft fühlen sie sich gut aufgehoben. „Nur gemeinsam können wir etwas bewegen. Alle ziehen an einem Strang. Es tut sich was“, ist oft zu hören.

Eine 60-jährige Münchnerin findet die aktuelle Renten- und Sozialpolitik „einfach ungerecht“. Die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf falle vielen Frauen im Alter auf die Füße.
Viele ältere Menschen sind in der Menge zu sehen. Auf eine Demonstration zu gehen, ist für sie teils beschwerlich. Sie tun es trotzdem: mit Gehhilfen, Rollatoren oder im Rollstuhl. Warum? „Ich bin für meine Frau hier, die kann gar nicht mehr aus dem Haus“, sagt einer. Und eine andere: „Ich bin für meine Tochter hier. Ihr und ihren Kindern soll es mal besser gehen.“

