Kategorie VdK-Zeitung

Die KI macht, was wir ihr beibringen

Von: Elisabeth Antritter

Künstliche Intelligenz (KI) wird in vielen Bereichen eingesetzt. Ihr Einfluss auf die Wirtschaft wächst rasant. Aus dem gesellschaftlichen Leben ist sie nicht mehr wegzudenken. 

Eine Besucherin „tanzt“ mit einer audiovisuellen KI-Installation des Künstlers Miguel Chevalier.
Eine Besucherin „tanzt“ mit einer audiovisuellen KI-Installation des Künstlers Miguel Chevalier. © imago/Avalon.red

Immer wieder setzt sich die Kulturlandschaft mit Unbehagen mit dem Einfluss von KI auseinander. So befürchten manche, dass es vielleicht bald keine Übersetzerinnen und Übersetzer für Literatur mehr braucht. Andere setzen KI bewusst für ihr kreatives Schaffen ein – wie der Künstler Miguel Chevalier. In der Ausstellung „Digital by Nature“ waren kürzlich in der Kunsthalle München viele seiner Werke zu bewundern. Der Franco-Mexikaner verwendet bereits seit den 1980er-Jahren Computertechnik für seine Kunst. Er lässt sich seit jeher von der Natur und deren Lebewesen und Strukturen inspirieren. Spannend sind für ihn Fraktale, also mathematische Muster, die etwa Farnblätter und Schneeflocken erzeugen, sowie Netzwerke. Zahlreiche Bilder hat Chevalier am PC bearbeitet.

Kreatives Werkzeug

Auch mit KI experimentiert der heute 67-Jährige. Sie dient ihm als Werkzeug, um seine digitalen Fantasiewelten entstehen zu lassen. In der Münchner Schau verwandelten sich Wände in leuchtend bunte, sich verändernde Muster. Diese wurden durch Algorithmen ständig neu produziert. Der Clou: Besucherinnen und Besucher konnten mit den Video- und Klanginstallationen interagieren. Wer sich ihnen näherte und sich bewegte, veränderte Muster sowie die Geräusche. Viele schritten vor den Wänden auf und ab und berührten sie, um zu testen, wie sich die Projektion dadurch verändert. (Website: Externer Link:kunsthallemuc.de/chevalier)

Doch nicht jede Nutzung von KI dient der kreativen Erweiterung. Während uns der Multimediakünstler im realen (Ausstellungs-) Raum sinnlichen Genuss verschafft, steht der Nutzen von virtuellen Assistenten in alltäglichen Bereichen auf einem ganz anderen Blatt. Chatbots dienen immer mehr Menschen als Lebensberater und werden mit sozialen Beziehungen verwechselt. Expertinnen und Experten warnen daher davor, solchen KI-Assistenten soziale Eigenschaften zuzuschreiben. Doch es ist gar nicht leicht, hier eine Grenze zu ziehen. Denn einige Chatbots sind so programmiert, dass sie der Nutzerin oder dem Nutzer schmeicheln, sie oder ihn bestärken. Hinter den Algorithmen stecken jedoch große Tech-Unternehmen mit wirtschaftlichen Interessen. 

In dem Begleitheft für Kinder zur Ausstellung von Miguel Chevalier wird klargestellt: „KI ist ein Computerprogramm, das von sich aus Neues schaffen kann. Eine KI hat keine Gefühle oder Gedanken. Sie macht nur, was wir ihr beibringen.“