
Sozialverband VdK: „Schluss mit der Schuldfrage – Patienten brauchen endlich Orientierung, keine Sanktionen“
- Primärarztsystem mit klarer Verantwortlichkeit reduziert Arztkontakte
- Bentele: „Eine gute und zielgenaue Gesundheitsversorgung muss das Ziel sein“
Der Sozialverband VdK warnt anlässlich des heute stattfindenden Fachdialogs zum Primärversorgungssystem des Bundesgesundheitsministeriums davor, allein die Patientinnen und Patienten für zu viele Arztkontakte verantwortlich zu machen. „Grundsätzlich muss gelten: Wer Hilfe sucht, benötigt Hilfe, keine Strafe. Die Ursache für zu viele Arztkontakte ist kein massenhaft praktiziertes ‚Ärztehopping‘, sondern ein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes System, das schlecht koordiniert ist. Hier wird die Verantwortung zersplittert, und Mehrfach-, Über- und Fehlversorgung stehen oft auf der Tagesordnung“
, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. In der Realität müssen chronisch Erkrankte oft mehrfach in der Praxis erscheinen, weil sie keine Wiederholungsrezepte bekommen. Häufig werden Patientinnen und Patienten von Praxis zu Praxis geschickt, bis sie eine Diagnose oder Behandlung erhalten. Hier ließen sich überflüssige Ärztekontakte begrenzen, ohne die Versorgung der Menschen einzuschränken.
„Eine patientenzentrierte Primärversorgung kann eine wichtige Lotsenfunktion einnehmen, um Patientinnen und Patienten durch den unübersichtlichen Dschungel unseres Gesundheitssystems zu begleiten“, so Bentele. „Damit können unnötige Behandlungen reduziert und Medikationen besser aufeinander abgestimmt werden. Wenn Patientinnen und Patienten durchs System gelotst werden, fühlen sie sich sicherer, und die Fehlversorgung geht zurück. Der VdK fordert eine barrierefreie, gemeinwohlorientierte und interprofessionelle Versorgung, die sich an den tatsächlichen Bedarfen der Menschen orientiert – mit patientengerechter Ansprache, Hausbesuchen, Zusammenarbeit zwischen Heilberufen und praktischer Koordination statt Bürokratie und Fehlversorgung. Wird die Arztwahl eingeschränkt, muss dies für die Patienten fair bleiben und evaluiert werden.“
Pressekontakt
