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VdK Bayern fordert mehr Einsatz der Kommunen bei Barrierefreiheit, Gesundheit, Wohnen und Teilhabe

Jahrespressekonferenz mit sozialpolitischen Positionen zur bayerischen Kommunalwahl 

VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder (links), VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele und stellvertretender Leiter der Abteilung Presse, PR, Neue Medien des VdK Bayern Sebastian Heise auf der Jahrespressekonferenz 2026 des VdK Bayern.
VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder (links), VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele und stellvertretender Leiter der Abteilung Presse, PR, Neue Medien des VdK Bayern Sebastian Heise auf der Jahrespressekonferenz des VdK Bayern. © VdK Bayern/Mirko Besch

Zur Kommunalwahl am 8. März hat sich der Sozialverband VdK Bayern mit zehn Forderungen unter dem Motto „kommunal sozial“ für mehr Sozialpolitik in Bayerns Städten und Gemeinden klar positioniert. „Die Kommunalwahl ist keine Nebenwahl“, sagte Verena Bentele, Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern und Präsidentin des VdK Deutschland, auf einer Pressekonferenz in München. Bentele betonte: „Die Kommunen können sozial gestaltet werden. Aber dafür braucht es klare Prioritäten und den Mut, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.“

„Soziale Gerechtigkeit ist kein abstraktes Versprechen. Sie zeigt sich ganz konkret darin, ob Menschen ihren Alltag und ihr Leben selbstbestimmt bewältigen können oder ständig auf Hindernisse stoßen. Genau hier beginnt die Verantwortung der Kommunen“, führte die VdK-Landesvorsitzende aus. Die VdK-Forderungen zur Kommunalwahl reichen von Inklusion und Barrierefreiheit, über Mobilität und Wohnen bis hin zu Gesundheit und Pflege sowie den Rahmenbedingungen für örtliches ehrenamtliches Engagement.

Ein wichtiger Punkt ist Barrierefreiheit: „Noch immer sind viele Schulen, Kindertagesstätten, Rathäuser, Arztpraxen und Krankenhäuser nicht barrierefrei“, beklagte Bentele. Laut einer Studie der Stiftung Gesundheit verfügen in Bayern nur 38,8 Prozent der ambulanten Arztpraxen über mindestens eine Vorkehrung, die Barrieren abbaut oder vermeidet. Das ist der schlechteste Wert aller Bundesländer. 

„Wohnen ist zu einer der größten sozialen Fragen geworden“, sagte die VdK-Landesvorsitzende. „Viele Menschen müssen immer mehr für die Miete ausgeben, während Sozialwohnungen fehlen. 11,9 Prozent der bayerischen Haushalte sind mit Wohnkosten überlastet. Das heißt, sie geben mehr als 40 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Nur für rund zwei Prozent der Haushalte in Bayern gibt es Sozialwohnungen.“ Der VdK fordert, dass Städte und Gemeinden den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbau deutlich ausbauen.

Notwendig sind laut Bentele seniorengerechte Quartierskonzepte, damit Angebote auch für Ältere gut erreichbar sind und Exklusion verhindert wird. „Noch immer werden zum Beispiel Wohnanlagen für Betreutes Wohnen oder Senioren- und Pflegeheime außerhalb des Ortskerns und völlig isoliert geplant und bauplanungsrechtlich genehmigt – ohne regelmäßige Busanbindung.“ Bentele betonte: „Wer nicht mobil ist, ist ausgeschlossen – von medizinischer Versorgung, von sozialen Kontakten, von Kultur und Bildung. Gerade im ländlichen Raum ist das für viele Menschen Realität. Deshalb fordern wir einen flächendeckenden, barrierefreien und verlässlichen öffentlichen Nahverkehr in Stadt und Land. Busse und Bahnen müssen häufiger fahren und langfristig verlässlich angeboten werden.“

Im Gesundheitsbereich gibt es für die Kommunen ebenfalls einiges zu tun. „Eine gute medizinische Versorgung darf nicht vom Wohnort oder von Rendite-Interessen abhängen. Kommunen müssen ihren Einfluss nutzen, um ärztlich geführte oder kommunale Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu stärken. Wenn nämlich private Investoren solche Zentren aufbauen, dann steht nicht der Patient im Mittelpunkt“, sagte Bentele.

Die Kommunen müssen sich laut VdK auch deutlich mehr mit den Gesundheitsrisiken des Klimawandels befassen. „Rund drei Viertel der Kommunen haben sich bisher noch nicht auf den Weg gemacht, einen eigenen Hitzeaktionsplan zu erstellen und vor allem die darin beschriebenen Maßnahmen auch umzusetzen. Dabei wird der Bedarf in der Zukunft noch steigen“, kritisierte die VdK-Landesvorsitzende.

VdK Bayern erreicht erstmals mehr als 850.000 Mitglieder

VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder zog eine sehr positive Bilanz der Verbandsarbeit im vergangenen Jahr: „Der Mitgliederzuwachs ist ungebrochen. Besonders freut mich, dass wir wieder einen Meilenstein erreicht haben. Im Oktober 2025 konnten wir das 850.000. Mitglied begrüßen und am 31. Dezember mit 857.769 Mitgliedern ein neues Allzeithoch verzeichnen. Insgesamt haben wir in den vergangenen zwölf Monaten 67.887 Mitglieder neu aufgenommen.“ Der Bevölkerungsanteil der VdK-Mitglieder liegt in Bayern bei 6,4 Prozent. Die Anzahl der Mitglieder beim VdK Bayern ist fast viermal so hoch wie die der größeren bayerischen Parteien zusammengerechnet. „Wir sind aber froh, dass wir keine Partei sind, sondern unabhängig und langfristig orientiert agieren können“, betonte Pausder. 

Die steigenden Mitgliederzahlen liegen „an der hervorragenden Arbeit unserer Sozialrechtsberatung“, erläuterte der VdK-Landesgeschäftsführer. Pro Werktag fanden im vergangenen Jahr in den Geschäftsstellen durchschnittlich über 1500 Beratungen statt, mehr als 460 Anträge wurden gestellt, über 140 Widersprüche eingelegt und 40 Klagen eingereicht. „Die Nachzahlungen, die wir 2025 für unsere Mitglieder erreicht haben, sind gegenüber 2024 gestiegen und betragen 126,6 Millionen Euro.“ Zudem engagieren sich rund 12.800 Ehrenamtliche bayernweit beim VdK und sorgen so für die Mitgliederbindung und -gewinnung vor Ort.

Beim VdK-Beratungstelefon „Pflege und Wohnen“ kamen die mit Abstand häufigsten Fragen zur Organisation der ambulanten Pflege sowie zu schnellen Entlassungen aus dem Krankenhaus ohne Klärung der weiteren pflegerischen Versorgung. Schwerpunktthemen beim VdK-Beratungstelefon „Leben mit Behinderung“ sind Fragen zum Grad der Behinderung, insbesondere zur Antragstellung und bei Verschlechterung, Informationen zu Nachteilsausgleichen und die Vermittlung von weiteren Ansprechstellen. Fragen zur Inklusion am Arbeitsplatz und zur Eingliederungshilfe nehmen ebenfalls zu.

Ein Maibaum mit dem VdK-Logo. Rechts daneben steht: "kommunal sozial 2026".

Kommunalwahl 2026

Am 8. März 2026 finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich als Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Landrätinnen und Landräte, Kreistags-, Stadtrats- und Gemeinderatsmitglieder zur Wahl. Wir legen einen 10-Punkte-Plan vor, wie Bayern an jedem Ort noch lebenswerter werden kann. 

Kontakt

Auf dem Foto sieht man den stellvertretenden Pressesprecher Sebastian Heise.
© Stephan Görlich

Kontakt: Sebastian Heise Stellvertretender Pressesprecher „Presse, PR, Neue Medien“

Telefon: 089 2117-283 089 2117-283 E-Mail: s.heise@by.vdk.de