
Altersarmut ist weit verbreitet
Ein sorgenfreies Leben im Ruhestand ist für immer weniger Menschen in Bayern Realität. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2024. Ein Viertel aller Frauen ab 65 Jahren sind armutsgefährdet.

VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele betrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge: „Die Staatsregierung rühmt sich gerne, dass Bayern schöner, größer, stärker und reicher als andere Bundesländer ist. Die Statistik sagt etwas anderes. Gerade bei älteren Menschen weist der Freistaat die höchsten Armutsgefährdungsquoten in Deutschland auf.“
Anhaltende Entwicklung
Besonders frustrierend sei, so Bentele, dass diese Entwicklung seit vielen Jahren anhält und dass insbesondere für Frauen ab 65 Jahren absolut keine Trendwende in Sicht ist. 2023 lag deren Armutsgefährdungsquote bei 24,5 Prozent, 2024 bei 25 Prozent. Sie ist die höchste in ganz Deutschland. Auch bei Männern im Rentenalter steigt die Gefahr der Altersarmut in Bayern weiter an. Die Quote stieg von 17,7 Prozent (2023) auf jetzt 18,1 Prozent. Insgesamt liegt die Armutsgefährdungsquote 2024 bei Menschen ab 65 Jahren in Bayern bei 22,1 Prozent, was eine Spitzenposition unter den Bundesländern bedeutet. 2023 lag dieser Wert noch bei 21,4 Prozent.
„Altersarmut ist keine Schande für die Betroffenen, sondern für den Freistaat und die Gesellschaft“, stellt die VdK-Landesvorsitzende klar. „Die Menschen brauchen dringend bessere Perspektiven für ein auskömmliches Leben im Alter“, fordert sie.
Aus Sicht des VdK Bayern muss an mehreren Schrauben gedreht werden. Der wichtigste Schritt ist, mehr weibliche Erwerbsbeteiligung zu ermöglichen. „Frauen kümmern sich meistens um die Kinder, pflegen weitaus häufiger als Männer Angehörige und arbeiten öfter in schlecht bezahlten Jobs. Das ist alles Gift für die Rente“, so Bentele. Deshalb müssen mehr Angebote für Kinderbetreuung und zur Entlastung der häuslichen Pflege geschaffen werden. Der VdK fordert viel mehr Aktivität zur Eindämmung von Niedriglöhnen und zur Förderung regulärer Beschäftigung statt Minijobs.
Viele Rentnerinnen und Rentner berichten zudem, dass die hohen Lebenshaltungskosten in etlichen Teilen Bayerns sie finanziell überfordern. „Auch hier kann und muss der Freistaat aktiv werden. Wir fordern den massiven Ausbau von mehr und auch im Alter bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum“, sagt Bentele.
Armut steigt allgemein
Nicht nur die Armutsgefährdungsquoten Älterer sind in Bayern alarmierend. Auch allgemein ist die Gefahr, arm zu sein, gewachsen. 2024 lag die Quote mit 15,1 Prozent höher als 2023 mit 14,8 Prozent. Das ist ein deutlicher Rückschlag gegenüber 2022, als die Armutszahlen erstmals rückläufig waren.
Haushalte mit einer erwachsenen Person und einem oder mehreren Kindern stechen in der Statistik mit 35,6 Prozent Armutsgefährdungsquote besonders hervor. Meistens stellen Frauen die alleinerziehenden Elternteile. Deren Erwerbsmöglichkeiten sind oft stark eingeschränkt. Viele von ihnen sind deshalb auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen. Da sie weniger arbeiten können, wirkt sich das negativ auf ihre spätere Rentenhöhe aus.
Viele arme Kinder
Die Quote der Kinder und Jugendliche, die in Bayern unter Armutsbedingungen aufwachsen, ist unverändert hoch. 2023 wie 2024 liegt sie bei 16,2 Prozent.
Eine weitere große Gefahr ist Erwerbslosigkeit. 44,6 Prozent der Personen, die keine Arbeit haben, sind armutsgefährdet. Wenn über längere Zeit kein Arbeitseinkommen erzielt werden kann, steigt für die betroffenen Personen nicht nur die akute Armutsgefahr, sondern perspektivisch auch die Gefahr für Altersarmut.
Die Armutsgefährdungsquoten werden von den statistischen Ämtern des Bundes und der Länder erhoben. Die vom VdK verwendeten Quoten werden nach dem jeweiligen Landesmedian berechnet, also nach den finanziellen Bedingungen in den einzelnen Bundesländern. Als armutsgefährdet gilt, wer 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.
Eine weitere Richtgröße ist die Armutsgefährdungsschwelle. Diese liegt in Bayern für einen Einpersonenhaushalt bei 1397 Euro. Sie wird von alleinlebenden Rentnerinnen und Rentnern oft unterschritten.

