
Hilfe aus der Bäckerei
Zum Auftakt der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ fand auf Einladung des Vereins One Billion Rising eine Pressekonferenz im Münchner Presseclub statt. Als Schirmpatin nahm VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele teil.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist so grausam wie alltäglich, kann aber nicht einfach hingenommen werden. Davon sind die Akteurinnen von One Billion Rising München mit Vorstandsfrau Romy Stangl überzeugt. Deswegen macht sie gegen diesen Missstand mobil.
„Wir solidarisieren uns“
Prominente Unterstützung kommt von Verena Bentele. Sie hatte sich sofort bereit erklärt, 2025 die Schirmpatinnenschaft für die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ zu übernehmen. „Wir solidarisieren uns mit Frauen und Mädchen, die Gewalt erleben. Wir müssen für sie die Stimme erheben, denn jedes Nicht-Sprechen oder gar Verschweigen isoliert die Opfer und begünstigt die Täter“, sagte Bentele auf der Pressekonferenz.
Bäckereien haben hohe Reichweiten. Sie sind ideale Orte, um diese Botschaft zu verbreiten. 250 000 Aktionstüten mit aufgedruckten Anlaufstellen für gewaltbetroffene Frauen und Kinder gingen rund um den 25. November in 200 Filialen in und um München, Erding und Landsberg über die Tresen. „Wenn wir nur einen einzigen Fall damit verhindern, hat es sich gelohnt“, so Oberinnungsmeister Heinrich Traublinger.
Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge, Eva Schießl vom Schulreferat der Stadt München und Dr. Inken Tremel von der Freien Wohlfahrtspflege mahnten strukturelle Veränderungen an, damit für Frauen und Mädchen ihr Recht auf ein sicheres Leben garantiert ist.
Härtere Gesetze
Wegge berichtete, dass die Bundesregierung härtere Gesetze bei Gewalt gegen Frauen auf den Weg bringen will. So soll etwa Femizid explizit als Mordmerkmal gelten, gewalttätigen Vätern soll leichter das Umgangsrecht mit den Kindern entzogen werden. Schießl betonte die zentrale Rolle von Bildung zur Stärkung von Mädchen. Schulen, Ausbildungsstellen sowie der öffentliche und digitale Raum sollten zuverlässig gewaltfreie Orte für Mädchen sein.
Bentele wie Tremel forderten eine rasche Bestandsaufnahme aller Hilfsangebote, die es für gewaltbetroffene Personen in Bayern gibt, und auf dieser Grundlage einen zielgenauen Ausbau von Beratungsstellen, Präventionsangeboten und Frauenhausplätzen. All dies auch immer im Hinblick auf die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen mit Behinderung, die heute oft mangels Barrierefreiheit abgewiesen werden müssen, wie Bentele ergänzte.
Auf den Bäckereitüten stehen Adressen, unter denen Frauen, Kinder und auch Männer Unterstützung finden. Viele der aufgelisteten Vereine und Beratungsstellen beklagen große Planungsunsicherheiten. Vertreterinnen und Vertreter dieses Netzwerks forderten auf der Pressekonferenz Freistaat und Kommunen dazu auf, für eine solide Grundfinanzierung ihrer wichtigen Arbeit zu sorgen.
Sie sind selbst von Gewalt betroffen?
Bundesweites kostenloses Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116 016.
