Kategorie Aktuelle Meldung Soziale Gerechtigkeit

Große Mehrheit steht hinter starkem Sozialstaat – Umfrage zeigt klare Erwartungen an die Politik

Ein breites Bündnis aus Verbänden, Gewerkschaften und Organisationen, das zusammen mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland vertritt, ruft gemeinsam zum Engagement für einen starken und zukunftsfesten Sozialstaat auf.

Menschenmenge auf einem Kopfsteinpflaster, aufgenommen aus der Vogelperspektive
Für mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft: Eine große Mehrheit spricht sich für einen starken und gerechten Sozialstaat aus. © Bits and Splits - stock.adobe.com

Über das Sozialstaatsbündnis

Ein neu gegründetes Sozialstaatsbündnis aus 14 zivilgesellschaftlichen Organisationen stellt sich gemeinsam gegen die wachsende Kritik am Sozialstaat (zur Pressemitteilung: Externer Link:20 Millionen Stimmen fordern einen gerechten Sozialstaat).

Die aktuelle politische Debatte zeichnet zunehmend ein Zerrbild des Sozialstaats: Statt ihn als Fundament für Stabilität, soziale Sicherheit, wirtschaftliche Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu begreifen, wird er häufig als Kostenfaktor oder Reformhindernis dargestellt. Diese Sichtweise verschärft soziale Spaltungen und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

20 Millionen Stimmen für einen gerechten Sozialstaat

Die unterzeichnenden Verbände vertreten gemeinsam mehr als 20 Millionen Mitglieder, Beschäftigte, ehrenamtlich Aktive und Ratsuchende. Sie erleben jeden Tag, wie Solidarität entsteht und welche riesigen Potenziale in einem gerechten und leistungsfähigen Sozialstaat stecken. Die Verbände sind deshalb davon überzeugt, dass es sich lohnt, für eine Politik zu kämpfen, die den Sozialstaat stärkt und von der alle Menschen in Deutschland profitieren.

Repräsentative Umfrage mit deutlichen Ergebnissen

Eine vom Bündnis in Auftrag gegebene aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov belegt den Rückhalt für die Positionen des Bündnisses mit bemerkenswert deutlichen Ergebnissen. Die Umfrageergebnisse belegen eine hohe Wertschätzung für den Sozialstaat und seine Leistungen, eine klare Einschätzung seiner zentralen Bedeutung für das Land, den Wunsch nach noch mehr Gerechtigkeit und ein starkes Bedürfnis nach verlässlicher sozialer Absicherung. Zugleich macht die Umfrage deutlich, wo die Menschen aktuell Problemlagen sehen und wie sie das Vertrauen in politische und gesellschaftliche Akteure bewerten.

Ergebnisse der Umfrage zum Sozialstaat

Die zentrale Erkenntnis: 79 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ein leistungsfähiger Sozialstaat den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Damit widerspricht die große Mehrheit der Erzählung des Sozialstaats als Belastung für die Gesellschaft:

Balkendiagramm zur Frage: „Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Ein leistungsfähiger Sozialstaat verbessert den Zusammenhalt in der Gesellschaft.“ 79 % der Befragten befürworten die Aussage voll und ganz oder eher (grüner Balken). 12 % lehnen sie voll und ganz oder eher ab (pinker Balken). 9 % antworten mit „Weiß nicht“ (graublauer Balken). Quelle: YouGov Omnibus Politik. Befragt wurden 2.315 Personen ab 18 Jahren vom 20.–23.02.2026.

Auch bei der Finanzierung zeigt sich eine klare Haltung: 73 Prozent sprechen sich dafür aus, Menschen mit sehr hohen Vermögen stärker zur Finanzierung des Sozialstaats heranzuziehen. Die Befragten setzen damit ein Signal für eine solidarischere Lastenverteilung:

Balkendiagramm zur Frage: „Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Menschen mit sehr hohen Vermögen sollten zur Finanzierung des Sozialstaats stärker als bisher herangezogen werden.“ 73 % der Befragten befürworten die Aussage voll und ganz oder eher (grüner Balken). 19 % lehnen sie voll und ganz oder eher ab (pinker Balken). 8 % antworten mit „Weiß nicht“ (graublauer Balken). Quelle: YouGov Omnibus Politik. Befragt wurden 2.315 Personen ab 18 Jahren vom 20.–23.02.2026.

Besonders eindeutig fällt das Meinungsbild beim Thema Pflege aus. 95 Prozent halten eine menschenwürdige stationäre und ambulante Versorgung für notwendig, die niemanden finanziell überfordert. Kein anderes Thema erzielt eine vergleichbar breite Zustimmung: 

Balkendiagramm zur Frage: „Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Es braucht eine menschenwürdige stationäre und ambulante Pflege, die niemanden finanziell überfordert.“ 95 % der Befragten befürworten die Aussage voll und ganz oder eher (grüner Balken). 2 % lehnen sie voll und ganz oder eher ab (pinker Balken). 3 % antworten mit „Weiß nicht“ (graublauer Balken). Quelle: YouGov Omnibus Politik. Befragt wurden 2.315 Personen ab 18 Jahren vom 20.–23.02.2026.

Auch in anderen Bereichen sprechen sich die Befragten für mehr Gerechtigkeit aus: Mehr als die Hälfte wäre trotz kontroverser Debatten bereit, höhere Rentenbeiträge zu zahlen, wenn dadurch die eigene Rente steigt: 

Balkendiagramm zur Frage "Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Ich wäre dazu bereit, höhere Rentenbeiträge zu zahlen, wenn garantiert ist, dass sich dadurch meine Rentenzahlung im Alter erhöht." Die Balken zeigen: "Lehne ich voll und ganz ab, lehne ich eher ab" mit 30 Prozent in pink, "Befürworte ich voll und ganz, befürworte ich eher" mit 55 Prozent in grün und "Weiß nicht" mit 15 Prozent in hellblau. Unter dem Diagramm steht die Quelle: "YouGov Omnibus Politik, Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Befragt wurden 2.315 Personen vom 20. - 23.02.2026."

Reformbedarf sehen die Menschen im Gesundheitswesen: 77 Prozent fordern eine strikte Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten bei der Vergabe von Facharztterminen:

Balkendiagramm zur Frage 'Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?' und dem Hinweis, an gesetzlich und privat Versicherte zu denken, welche Aussage am ehesten der Meinung zur Vergabe von Facharztterminen entspricht Die Balken zeigen 77 % für 'Strikte Gleichbehandlung von privat- und gesetzl. Versicherten bei Vergabe von Arztterminen', 14 % für 'Freie Entscheidung der Arztpraxen bei Vergabe von Facharztterminen', 5 % für 'Weder noch' und 4 % für 'Weiß nicht' Die Quelle ist 'YouGov Omnibus Politik, Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Befragt wurden 2.315 Personen vom 20. - 23.02.2026'

Ebenfalls überragende Zustimmung gibt es in der Gesamtbevölkerung dafür, die soziale Frage des Wohnens konsequenter anzugehen: 91 Prozent der Befragten wünschen sich, dass der Staat mehr dafür tun sollte, dass es bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen gibt. Nur fünf Prozent lehnen das ab:

Das Balkendiagramm zeigt die Umfrageergebnisse zur Aussage "Der Staat sollte mehr dafür tun, dass es bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen gibt" mit drei Antwortkategorien: "Lehne ich voll und ganz ab" und "Lehne ich eher ab" zusammen 5 Prozent, "Befürworte ich voll und ganz" und "Befürworte ich eher" zusammen 91 Prozent, "Weiß nicht" 4 Prozent. Darunter steht die Quelle: YouGov Omnibus Politik, 2.315 Befragte ab 18 Jahren, Zeitraum 20. bis 23. Februar 2026

Hohe Wertschätzung erfahren auch die sozialen Dienstleistungen, deren Ausstattung von den Menschen überwiegend als unzureichend eingeschätzt wird. Auf die Frage nach der finanziellen und personellen Ausstattung von  Kitas, Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Pflegeeinrichtungen oder Sozialberatungsstellen bemängeln zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) zu wenig finanzielle Mittel. Als noch problematischer werden die personellen Ressourcen wahrgenommen (71 Prozent): 

Balkendiagramm zur finanziellen und personellen Ausstattung sozialer Einrichtungen mit den Kategorien 'Überhaupt nicht ausreichend', 'Eher nicht ausreichend', 'Voll und ganz ausreichend', 'Eher ausreichend' und 'Weiß nicht'. Darüber steht die Frage 'Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu?' und die Erläuterung, dass soziale Einrichtungen Kitas, Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Pflegeeinrichtungen oder Sozialberatungsstellen umfassen. Bei finanzieller Ausstattung geben 66 % an 'Überhaupt nicht ausreichend', 22 % 'Voll und ganz ausreichend', 12 % 'Weiß nicht'. Bei personeller Ausstattung geben 71 % an 'Überhaupt nicht ausreichend', 18 % 'Voll und ganz ausreichend', 11 % 'Weiß nicht' Darunter steht die Quelle: YouGov Omnibus Politik, Befragung von 2.315 Personen vom 20. bis 23. Februar 2026

Im Bereich des Klimaschutzes wünschen sich die Menschen in Deutschland einen stärkeren Fokus auf soziale Gerechtigkeit: So erhält die Frage nach einer besseren Förderung von Wohneigentümerinnen und -eigentümern mit geringem Einkommen für energetische Sanierungen sehr hohe Zustimmungswerte (79 Prozent): 

Balkendiagramm zur Zustimmung zu staatlicher Förderung energetischer Sanierung für einkommensschwache Wohneigentümer. Darüber steht die Frage 'Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Wohneigentümer mit geringem Einkommen, die ihr Haus oder ihre Wohnung selbst nutzen, sollten bei der energetischen Sanierung wie zum Beispiel dem Einbau einer klimafreundlichen Heizung oder der Dämmung ihres Hauses oder ihrer Wohnung besser staatlich gefördert werden.' Die Ergegebnisse in den Antwort-Kategorien sind wie folgt: 'Lehne ich voll und ganz ab' und 'Lehne ich eher ab' geben 12 Prozent an, 'Befürworte ich voll und ganz' und 'Befürworte ich eher' geben 79 Prozent an sowie 'Weiß nicht' geben 9 Prozent an. Unter dem Diagramm steht die Quelle: 'YouGov Omnibus Politik, Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Befragt wurden 2.315 Personen vom 20. - 23.02.2026.'

Eine ebenfalls sehr hohe Zustimmung (79 Prozent) geben die Befragten zu einem verbesserten Mieterschutz vor Mieterhöhungen bei energetischen Sanierungen: 

Das Balkendiagramm zeigt die Umfrageergebnisse zur Aussage "Mieter sollten besser vor Mieterhöhungen geschützt werden, die durch energetische Sanierungen von Gebäuden entstehen können" mit drei Antwortkategorien: "Lehne ich voll und ganz ab" und "Lehne ich eher ab" zusammen 14 Prozent; "Befürworte ich voll und ganz" und "Befürworte ich eher" zusammen 79 Prozent; "Weiß nicht" 7 Prozent. Darunter steht die Quelle: YouGov Omnibus Politik, 2.315 Befragte ab 18 Jahren, Befragungszeitraum 20. bis 23. Februar 2026

Flexibilisierungen in den Arbeitszeitregelungen zulasten des Arbeitnehmerschutzes werden von mehr als der Hälfte der Befragten (56 Prozent) abgelehnt. Sie sprechen sich gegen die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit gegenüber einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit aus. Befürwortet wird dies nur von 35 Prozent:

Balkendiagramm mit drei horizontalen Balken. Überschrift: 'Inwiefern stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu?'. Darunter ein erklärender Text: 'Das Arbeitszeitgesetz legt fest, dass Arbeitnehmer (mit Ausnahmen) nicht mehr als 8 Stunden pro Tag arbeiten dürfen. Die Bundesregierung schlägt vor, diese Regelung so zu ändern, dass Arbeitnehmer bis zu 12 Stunden arbeiten dürfen, aber nicht pro Tag, sondern pro Woche. Damit wären verpflichtende Arbeitszeitobergrenzen pro Woche und nicht pro Tag festgelegt.' Es folgt die Frage: 'Befürworten Sie den Vorschlag der Bundesregierung, die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen?' Die Balken sind mit den Antwortmöglichkeiten beschriftet: 'Lehne ich voll und ganz ab / Lehne ich eher ab' mit 56 %, 'Befürworte ich voll und ganz / Befürworte ich eher' mit 35 %, 'Weiß nicht' mit 9 %. Unter dem Diagramm steht: 'YouGov Omnibus Politik, Wohnbevölkerung ab 18 Jahren, Befragt wurden 2.135 Personen vom 20. bis 22.02.2024.'

Hinweise zur Methodik

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 20. bis 23.02.2026 insgesamt 2.315 Personen befragt. 

Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politisches Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet.

Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

Pressemitteilung Sozialstaatsbündnis