Kategorie VdK-Zeitung Gesundheit Reha

Zu Hause wieder fit werden

Von: Annette Liebmann

Nach einem Sturz oder einer Operation brauchen ältere Menschen oft eine Reha, um ihre verloren gegangenen Fähigkeiten wiederzuerlangen. Das ist nicht nur in einer Klinik möglich, sondern an manchen Orten in Bayern auch zu Hause.

Eine junge Frau hilft einer älteren Frau bei der richtigen Ausführung der Hantelübung. Sie sitzen nebeneinander und die jüngere Frau stützt den Arm der älteren Frau.
Bei der mobilen geriatrischen Reha kann gezielt auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zuhause eingegangen werden. © IMAGO/HalfPoint Images

Die Geriatrische Fachklinik in Neuburg an der Donau ist eine von bayernweit elf Einrichtungen, die neben einer stationären auch eine mobile geriatrische Reha anbieten. Das Projekt startete 2020 und wird sehr gut angenommen, sodass die Zahl der Plätze im vergangenen Jahr auf 50 erweitert wurde. „Wir versorgen die Menschen im gesamten Landkreis. Das entspricht einem Umkreis von 25 bis 30 Kilometern“, erklärt Peter Roth, leitender Physiotherapeut. 

Vertraute Umgebung

Eine mehrwöchige Rehabilitationsmaßnahme, bei der die Therapeuten ins eigene Zuhause kommen, sei genau das, was sich die meisten älteren Menschen wünschen würden. „Sie wollen nicht mehr wegfahren“, weiß Roth aus Erfahrung. Die vertraute Umgebung bietet ihnen Sicherheit, was auch bei einer Demenzerkrankung oder anderen kognitiven Erkrankungen von Vorteil ist. 

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Therapie an den Alltag und die Lebensumstände angepasst werden kann. Wohnt jemand beispielsweise im ersten Stock, wird das Treppensteigen geübt. So erhalten sich die Patientinnen und Patienten nicht nur die Mobilität, sondern auch ihre Selbstständigkeit. „Man muss ja vor allem im häuslichen Umfeld klarkommen“, bekräftigt Roth.

In den Reha-Prozess werden Familienmitglieder und pflegende Angehörige aktiv miteinbezogen. Hinzu kommen die vergleichsweise niedrigen Kosten: Die mobile geriatrische Reha ist wesentlich günstiger als eine stationäre oder ambulante Maßnahme.

Seit der Einführung der mobilen Reha 2007 im deutschen Gesundheitssystem können deutlich mehr Ältere eine Reha machen. Dazu gehören auch mobilitätseingeschränkte Menschen oder solche, die wegen anderer gesundheitlicher Probleme nicht in der Lage sind, eine stationäre Maßnahme in Anspruch zu nehmen. 

Die mobile geriatrische Reha richtet sich an Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren mit mehreren chronischen Krankheiten, erheblichen funktionellen Beeinträchtigungen und einem oft komplexen Hilfebedarf. Sie muss ärztlich verordnet und von der Krankenkasse genehmigt sein. Ziel ist es, die Selbstständigkeit zu erhöhen oder die häusliche Pflege zu sichern.

Nicht überall möglich

Für die Therapie arbeiten Ergotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Psychologinnen und Logopäden, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte eng zusammen. Der Behandlungsplan wird individuell erstellt und beinhaltet wöchentlich drei bis fünf Therapieeinheiten. Eine Reha dauert in der Regel 15 bis 20 Werktage und kann danach noch einmal verlängert werden.

Einziger Wermutstropfen: Es gibt keine flächendeckende Versorgung. Zwar liegt Bayern mit elf Einrichtungen deutschlandweit an der Spitze, dennoch ist eine mobile Reha nur in wenigen Städten und Landkreisen verfügbar: neben Neuburg an der Donau in Bad Endorf, Bamberg, Bruckmühl, Coburg, Hof, Ochsenfurt, Rottenburg, Traunstein, Wartenberg und Würzburg.