Kategorie VdK-Zeitung Pflege

ASZ unterstützen im Stadtviertel

Von: Annette Liebmann

Die Münchner Alten- und Service-Zentren (ASZ) sind nicht nur beliebte Treffpunkte. Die Mitarbeitenden beraten Ältere und helfen ihnen. Zusätzlich bieten fünf dieser Zentren seit knapp zwei Jahren Haushaltshilfe für Menschen in akuten Notlagen an. 

Heike Leupold (rechts) spült die Gläser von Herbert Zimmermann (links)..
Heike Leupold (rechts) spült die Gläser von Herbert Zimmermann. Der 86-Jährige hatte lange Zeit vergeblich nach einer Haushaltshilfe gesucht. © VdK Bayern/Annette Liebmann

Heike Leupold öffnet den Schrank und wuchtet ein Regalbrett heraus. Mit einem Schwämmchen schrubbt sie das Innere des Schranks und das Brett ab. „Da ist mal was ausgelaufen“, stellt sie fest. Die 56-Jährige ist Mitarbeiterin des ASZ Sendling und hilft älteren Menschen im Haushalt. Ziel ist es, sie beispielsweise nach einem Sturz oder einer schweren Erkrankung übergangsweise zu unterstützen, sodass sie weiterhin zu Hause leben können. 

Heute putzt Leupold die Schränke von Herbert Zimmermann*. Der 86-Jährige lebt allein und hat Polyneuropathie, eine Nervenkrankheit. Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheit in Füßen und Beinen. Er kann kaum noch laufen. Zum Duschen kommt eine Pflegekraft. Aber auch mit dem Haushalt tut er sich schwer. „Ich muss mich beim Staubsaugen auf meinen Gehstock stützen“, schildert er. 

Fensterputzen, Staubwischen und alleine Einkaufen kann er nicht mehr. „Ich hatte mich bemüht, jemanden für den Haushalt zu finden, habe im Haus herumgefragt und im Internet recherchiert“, erzählt er. Schließlich wandte sich Zimmermann ans ASZ um die Ecke, das er regelmäßig besucht. Eine Mitarbeiterin kam zu ihm nach Hause, um den Hilfebedarf einschätzen zu können. Schon bald darauf bekam er dann Besuch von Leupold. 

Vorübergehende Hilfe

Seither kommt sie alle zwei Wochen, um die Wohnung sauber zu machen und auch dort zu wischen, wo Zimmermann nicht hinkommt. Ihr Einsatz wird von einer Sozialpädagogin des ASZ betreut. Das Projekt ist ausdrücklich als vorübergehende Hilfe vorgesehen und auf drei Monate begrenzt. Leupold ist heute zum letzten Mal da. „Ich hatte ihnen ja Adressen von Hauswirtschafts-Diensten mitgebracht, die mit der Pflegekasse abrechnen können. Da finden Sie eine Haushaltshilfe“, sagt sie. 

„Die Haushaltsführung ist meist das Erste, was im Alter nicht mehr geht“, betont Kai Weber, Leiter des ASZ Sendling. „Wir überlegen schon seit Jahrzehnten, wie wir diese Lücke schließen können.“ Ihm geht es darum, dass die Menschen nicht in ein Pflegeheim müssen, nur weil sie für alltägliche Arbeiten keine Unterstützung finden. 

Oft dauere es Wochen oder sogar Monate, bis der Antrag auf einen Hauswirtschaftsdienst bei der Pflegeversicherung oder beim Sozialamt bearbeitet und ein geeigneter Anbieter gefunden wurde. Das ist für Menschen, die nach einem Klinikaufenthalt nach Hause zurückkehren, die Wartezeit bis zu einer Reha überbrücken müssen oder einen Unfall hatten, viel zu lang. Mit der Hauswirtschafterin hat das ASZ nun die Möglichkeit, schnell und unbürokratisch zu helfen.

Das Projekt, das vorläufig bis Ende 2027 läuft, kommt sehr gut an: 2025 war Leupold 650-mal bei 88 Sendlinger Seniorinnen und Senioren im Einsatz. Die Haushaltshilfe ist kostenlos. Wichtig ist, dass die Betroffenen den Mitarbeitenden des ASZ bereits bekannt sein müssen – sei es durch den Sozialen Mittagstisch oder eine Beratung. Das ASZ ist auch dabei behilflich, eine mittel- beziehungsweise langfristige Lösung zu finden. Manchmal reicht es aus, eine Reinigungskraft zu suchen, manchmal muss aber auch ein Pflegegrad beantragt werden. 

Hilfe annehmen lernen

Oft müsse die Wohnung oder die ältere Person aber auch erst auf eine dauerhafte Haushaltshilfe vorbereitet werden, so Weber. Denn manche Menschen hätten Angst, Fremde in ihr Zuhause zu lassen, oder schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn sie sich dann an die ASZ-Mitarbeiterin gewöhnt haben, wollen sie sie meist nicht mehr gehen lassen. „Der Abschied wird dann schon emotional“, sagt Leupold.

*Name von der Redaktion geändert

Das Projekt läuft an folgenden Standorten: Maxvorstadt, Milbertshofen, Obergiesing, Quartier Mitterfeldstraße, Sendling und Westend.

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