Zu wenig Kurzzeitpflegeplätze
Immer mehr Menschen in Bayern sind pflegebedürftig. Von 2021 bis 2023 ist die Zahl der Betroffenen um 53 126 Personen auf 631 273 gestiegen. Nur wenige bekommen einen Platz in der Kurzzeitpflege.

Das bayerische Gesundheitsministerium schätzt den derzeitigen Bedarf auf rund 3000 Plätze. Davon ist der Freistaat jedoch weit entfernt. Wie eine Sprecherin des Ministeriums mitteilt, gab es zum Stichtag 31. Dezember 2025 1288 Kurzzeitpflegeplätze in 473 Pflegeeinrichtungen. Neuere Zahlen liegen nicht vor.
Hohe Vorhaltekosten
Laut Gesundheitsministerium bieten 18 Einrichtungen ausschließlich Kurzzeitpflegeplätze an. Zu diesen 350 Pflegeplätzen kommen 531 zeitlich befristete Plätze in Heimen hinzu. 511 dieser Kurzzeitpflegeplätze wurden mithilfe des staatlichen Förderprogramms „Fix plus x“ geschaffen. Ergänzend gibt es laut Ministerium 407 „eingestreute“ Kurzzeitpflegeplätze. Das sind Plätze in Pflegeheimen, die spontan vergeben werden können, wenn ein Bett vorübergehend unbesetzt ist.
Ein Grund für den seit Jahren vorherrschenden Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen ist laut Ministeriumssprecherin der demografische Wandel. Hinzu kommen der hohe administrative Aufwand sowie die vergleichsweise hohen Personalkosten. „Zum anderen müssen über die Vergütung der Kurzzeitpflege auch die Vorhaltekosten refinanziert werden“, so die Sprecherin. Derzeit werde der finanzielle Aufwand, damit jederzeit freie Betten verfügbar sind, nicht ausreichend vergütet.
Yvonne Knobloch, Leiterin des Ressorts „Leben im Alter“ beim VdK Bayern, bezweifelt, dass die Angaben des Gesundheitsministeriums stimmen. „Es wird immer schwerer, einen Platz in der Kurzzeitpflege zu finden“, sagt sie. Viele Menschen wenden sich an das VdK-Beratungstelefon „Pflege und Wohnen“. Oft gebe es zwar freie Plätze auf dem Papier, in der Realität können diese aber aufgrund des Fachkräftemangels nicht belegt werden. Hinzu kommt, dass die Anzahl der „eingestreuten“ Plätze nicht genau beziffert werden kann, da diese bei hohem Bedarf in Dauerpflegeplätze umgewandelt werden.
Wichtig ist laut Knobloch, dass Kurzzeitpflege wohnortnah angeboten wird. „Was hilft es pflegenden Angehörigen auf dem Land, wenn es in den großen Städten Kurzzeitpflegeplätze gibt, aber in der Nähe überhaupt keine angeboten werden? Dadurch sinkt die Bereitschaft von pflegenden Angehörigen, Auszeiten wirklich wahrzunehmen“, bekräftigt sie.
Bis zum Jahr 2050 rechnet der Freistaat mit einem Gesamtbedarf von 3700 bis 5000 Kurzzeitpflegeplätzen. Neue oder umgebaute Pflegeplätze sollen mithilfe der Ende 2019 in Kraft getretenen Förderrichtlinie „Pflege im sozialen Nahraum – PflegesoNahFöR“ entstehen. Bis 2028 sollen insgesamt 8000 Pflegeplätze gefördert werden. Wie viele Kurzzeitpflegeplätze darunter sind, war nicht zu erfahren.



