Kategorie VdK-Zeitung

Den Glauben an sich selbst stärken

Von: Elisabeth Antritter

Selbstzweifel hemmen Menschen, schwierige Aufgaben anzugehen. Wer sich auf seine Stärken besinnt, kann Zweifel überwinden. Eine Expertin gibt dazu einige Tipps.

Jemand hält einen grauen Stein in beiden Händen. Darauf ist mit schwarzem Stift ein lächelndes Gesicht gemalt.
Mit einem Lächeln im Gesicht und einer positiven Einstellung etwas anzupacken, kann helfen, Herausforderungen anzunehmen und zu meistern. © Imago/Rolf Poss

In ihrem Beruf als Persönlichkeitstrainerin trifft Ingrid Barouti häufig Menschen, die an sich zweifeln. Deren Vertrauen in sich selbst zu stärken, ist dann das A und O. „Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, eine Aufgabe durch eigene Fähigkeiten meistern zu können“, erklärt die Expertin. Schon für kleine Kinder sei es wichtig, zu erleben, dass sie etwas durch ihr Tun bewirken können und dabei Erfolg sowie den Umgang mit Misslingen lernen. „Werden sie ermutigt, etwas auszuprobieren, wächst das Selbstvertrauen“, sagt sie. 

Eltern können in Sachen Selbstwirksamkeit Vorbild sein: „Wenn meine Tochter oder mein Sohn erlebt, wie ich mir selbst oder eben meinem Kind etwas zutraue, dann bestärkt dies auch mein Kind, sich Herausforderungen zu stellen“, betont sie.

Aktivitäten helfen

Selbstzweifel, die sich in Sätzen wie „Ich kann das nicht“ widerspiegeln, können jeden befallen. Aber sie müssen nicht dazu führen, dass sich eine Person von einer Idee oder einem Vorhaben abbringen lässt. Zweifel lassen sich oft überwinden. Mehr an sich zu glauben, kann immer wieder im Alltag trainiert werden. So kann man Selbstwirksamkeit sehr gut durch Bildung und Weiterbildung aktivieren, idealerweise in Gemeinschaft.

Die Expertin nennt zudem Sport und Bewegung sowie Musik und Kunst als Tätigkeitsfelder, in denen sich Menschen als selbstwirksam erfahren können. „Hier kann man sehr gut üben, sich und seine Fähigkeiten und Chancen realistisch einzuschätzen“, weiß Barouti. Wer herausfordernde Pläne umsetzt, trainiert die Selbstwirksamkeit. Man lernt dabei, mit Niederlagen und Schwierigkeiten umzugehen und gibt nicht so schnell auf, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass es beim nächsten Mal oder auf andere Weise besser gelingen kann. „Man zögert nicht lange, wartet nicht auf, den richtigen Moment‘, sondern fängt an“, erläutert sie. 

Hilfe für häusliche Pflege

Das Gegenteil von Selbstwirksamkeit ist das Erleben von Hilflosigkeit. Ingrid Barouti hat ein Seminar mit dem Titel „Beruf und Pflege“ entwickelt. In dem Kurs berichten ihr pflegende Angehörige häufig, dass sie sich hilflos fühlen. Sie bekommen von außen Ratschläge wie „Denk doch auch mal an dich“. Doch das ist nicht so einfach. Denn Menschen, die ein Familienmitglied pflegen, glauben oft, sie müssten alles alleine schaffen, stellt Barouti fest. „Es wäre wichtig, dass sie lernen, ein wenig Verantwortung abzugeben und sich Unterstützung zu suchen. Jemand, der regelmäßig mit dem zu pflegenden Elternteil spazieren geht oder ihm vorliest, kann schon entlasten“, rät die Expertin. 

Wenn Eltern sich gegen eine solche Veränderung wehren, steht dahinter das Bedürfnis von Sicherheit und Selbstbestimmung. Barouti bestärkt pflegende Angehörige, erste mögliche Schritte zur Entlastung behutsam auszuprobieren.

Ermutigung suchen

Menschen, die sich um ihre Eltern kümmern, haben sich oft auf einen kleinen familiären Kreis zurückgezogen. Doch gerade sie brauchen auch Ermutigung von anderen. „Meist geschieht das nicht, weil sie kaum noch soziale Kontakte pflegen. Da ist es umso wichtiger, die eigenen vier Wände auch mal zu verlassen.“ Barouti empfiehlt, sich Verbündete zu suchen, sich also mit anderen pflegenden Angehörigen zu treffen, um sich über Schwierigkeiten auszutauschen.