Passionstheater nicht barrierefrei
Die Oberammergauer Passionsspiele sind weltberühmt, aber nicht barrierefrei zugänglich. Nach einer Ortsbegehung mit dem Sozialverband VdK Bayern verspricht Bürgermeister Andreas Rödl Verbesserungen.

Wie viele andere bayerische Kommunen hat auch Oberammergau noch einiges zu tun, um Barrierefreiheit herzustellen. Dies war bereits vor der gemeinsamen Ortsbegehung mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde sowie Expertinnen und Experten des VdK Bayern nicht anders zu erwarten. Doch so manches Hindernis überraschte auch den Ersten Bürgermeister Andreas Rödl.
Zusammen mit der VdK-Kreisvorsitzenden Susann Enders, dem Oberammergauer Ortsvorsitzenden Peter Geißelbrecht, der stellvertretenden Ortsvorsitzenden Barbara Gröbl, Beisitzerin Jutta Rollnik, den beiden ehrenamtlichen VdK-Beratern für Barrierefreiheit, Peter Maier und Reinhold Nöth, sowie Thomas Pfefferle vom Bauamt der Gemeinde Oberammergau machte Rödl eine Tour durch seine Ortschaft. Die Gruppe begutachtete, inwieweit Barrierefreiheit erreicht ist.
Das berühmte Passionstheater, in dem die Gemeinde alle zehn Jahre das Leiden und Sterben Jesu Christi nachspielt, gehörte natürlich zu den Zielen. Neben Stufen führen auch mehrere Rampen in den Zuschauerraum. Beim Vermessen stellte sich jedoch heraus, dass alle viel zu steil sind. Die Neigung betrug zwischen 23 und 26 Prozent. Damit eine Rampe als barrierefrei gilt, sollte sie höchstens sechs Prozent Steigung haben.
Im Gespräch mit der VdK-Zeitung bezeichnete Bürgermeister Rödl, der selbst VdK-Mitglied ist, nicht nur diese Erkenntnis als „ernüchternd“. Schließlich rechnet man ja damit, dass das richtig geplant wird, sagte er. Auch das Behinderten-WC im Passionstheater entspricht in vielen Punkten nicht der Norm: Notschalter, Waschbecken, Spiegel und Kleiderhaken sind zu hoch angebracht. Außerdem geht die Tür nach innen und nicht nach außen auf, was ein gravierender Sicherheitsmangel ist. Rödl will diese Fehler als Erstes beseitigen lassen.
„Luft nach oben“
In Bezug auf Barrierefreiheit ist im Ort „noch Luft nach oben“, gestand der Bürgermeister ein. So befindet sich der Sitzungssaal im Ammergauer Haus, in dem auch der Gemeinderat tagt, im ersten Stock und ist nur über eine Treppe erreichbar.
VdK-Berater Peter Maier war dankbar, die Ergebnisse zusammen mit den anderen VdK-Vertreterinnen und -Vertretern vor dem Gemeinderat präsentieren zu können. „Da zeigten sich natürlich alle sehr kooperativ“, sagte er. „Aber wenn es ums Geld geht, wird es dann oft schwierig.“
Bürgermeister Rödl wies auch auf die angespannte Haushaltslage hin. Doch er versprach, sich dafür starkzumachen, dass die Barrieren beseitigt werden.