Expertinnen und Experten referieren und diskutieren auf dem VdK-Forum
„36 Grad, und es wird noch heißer“: Der Titel des Sommerhits aus dem Jahr 2007 stand dieses Mal über dem sozialpolitischen Forum des VdK Bayern. Expertinnen und Experten sprachen über die Folgen des Klimawandels und Gegenstrategien.

VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder wies in seiner Begrüßungsrede auf die Dringlichkeit des Themas hin. „Während die Klimaforschung weitergeht, ist jetzt vor allem entschiedenes politisches Handeln gefragt“, sagte Pausder. Als größter Sozialverband in Bayern und in Deutschland weiß der VdK, wer am meisten unter den Folgen der zunehmenden Extremwetterlagen leidet. „Es sind nicht die mit dem ökologischen Dinosaurier-Fußabdruck, die sich Privatjets und Superyachten gönnen und sich bei Bedarf in klimatisierten Räumen aufhalten“, erläuterte der Landesgeschäftsführer. „Es sind die Ärmeren, die Älteren und unsere Kinder, die besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.“
Die sozialen Folgen müssen von „breiten Schultern“ getragen werden, forderte VdK-Landesvorsitzende Verena Bentele. „Wer mehr Geld hat, muss mehr bezahlen.“ Bentele betonte: „Wir als VdK fordern ein deutliches Bekenntnis unserer Regierenden zu einer nachhaltigen Klimaschutzpolitik mit entsprechend abgestimmten Maßnahmen.“ Statt die Bevölkerung durch einen Zickzackkurs zu verunsichern, braucht es klare Ziele und schlüssige Antworten.
Prof. Dr. Annette Menzel, Professorin für Ökoklimatologie an der Technischen Universität München, belegte mit zahlreichen Fakten den Titel ihres Vortrags „Der Klimawandel ist eine Tatsache“. Die weltweite Durchschnittstemperatur ist seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits um 1,5 Prozent gestiegen, extreme Wetterlagen wie Starkregen oder Hitzeperioden haben deutlich zugenommen.

Ärmere stärker belastet
Dass die negativen Folgen des Klimawandels ungleich verteilt sind und besonders sozial benachteiligte, kranke und ärmere Menschen trifft, erklärte Dr. Katja Schumacher vom Öko-Institut in Berlin. So leben ärmere Menschen in schlecht gedämmten Wohnungen, leiden daher stärker unter Kälte und Hitze sowie den explodierenden Energiekosten. Schumacher wies auf spezielle Sozialleistungen hin, die den Betroffenen helfen können: Stromspar-Checks, Einkommensbonus und Förderungen für Gebäudesanierung.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber würdigte die Bedeutung des Sozialverbands VdK. „Sie nehmen klar Stellung, auch zum Thema Klimaschutz“, sagte Glauber. Er plädierte für einen schnelleren Ausbau der Stromnetze und -speicher, um die Energie weitertransportieren und länger speichern zu können.
Zu Beginn des zweiten Tages zeigte Jacqueline Melzer von der Bundesstiftung Gleichstellung in Berlin, dass die Klimafolgen das weibliche Geschlecht überproportional treffen. Gesundheitliche Probleme aufgrund steigender Temperaturen belasten Frauen deutlich mehr, berichtete sie. Auch die Todesfälle aufgrund von Hitze liegen bei ihnen höher. Hitzeaktionspläne von Kommunen sollten daher auch die Bedürfnisse von Frauen besonders berücksichtigen, sagte Melzer.
Über die Klimastrategien der Stadt Nürnberg berichtete Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit. Die Verwaltung der mittelfränkischen Großstadt plant, bis 2035 klimaneutral zu sein. Die gesamte Stadt solle dies fünf Jahre später erreichen. Nürnbergs Klimaplan, der 67 Maßnahmen beinhalte, wurde vom Stadtrat mit „überwältigender Mehrheit“ verabschiedet. Um die klimafreundliche Fernwärme, die Radwege und auch Grünflächen auszubauen, ist nach ihren Worten der „größte Stadtumbau seit dem Zweiten Weltkrieg“ nötig.

Wie auch am ersten Tag diskutierten die Referentinnen zusammen mit Alexander Hagelüken, Moderator des Forums, und Verena Bentele über die verschiedenen Themen. Mit dabei war auch Ruth Waldmann, gesundheitspolitische Sprecherin der SPDkurz fürSozialdemokratische Partei Deutschlands-Fraktion im bayerischen Landtag. Sie sprach von einem sehr wichtigen Thema, um das sich der VdK bei dem Forum kümmere. Die Auswirkungen des Klimawandels seien so massiv, dass dieser nicht ignoriert werden dürfe. Leider hätten viele Politikerinnen und Politiker das nicht begriffen, beklagte Waldmann. „Das ist kein Nischenthema“, sagte sie und bekam großen Applaus des Publikums, darunter viele ehren- und hauptamtliche VdK-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.
Zum Abschluss bedankte sich Bentele bei Referentinnen und Referenten, Moderator Hagelüken und dem Organisationsteam um Claudia Spiegel, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik beim VdK Bayern.
