VdK-Mitglied Nikolai Sommer strebt Paralympics an
Innerhalb weniger Jahre ist Nikolai Sommer einer der besten deutschen Para-Tischtennisspieler geworden. Zuletzt gewann das VdK-Mitglied drei deutsche Meistertitel. Sein großes Ziel sind die Paralympics in Los Angeles.

Nikolai Sommer war eines der größten Nachwuchstalente des deutschen Skiverbands. Als Nummer zwei der Weltrangliste im Super G startete der Oberbayer am 11. Mai 2017 ins Training für die neue Saison. Die wellenförmige Piste auf dem Kaunertaler Gletscher war für den 16-Jährigen wie gemacht. Doch schon bei den ersten Hügeln der Abfahrt merkte er, dass er viel zu schnell unterwegs war. Er verlor die Kontrolle, flog hoch in die Luft und landete auf dem Rücken. Trotz des starken Aufpralls blieb er bei Bewusstsein. Er versuchte, seine Beine zu bewegen. Vergeblich. Die Teamkollegen waren längst bei ihm. Die Bergwacht kam, und er wurde per Hubschrauber in die nahe gelegene Innsbrucker Klinik geflogen. Dort wurde sofort eine Operation vorbereitet. Er konnte noch kurz, unter Tränen, mit seinem Vater telefonieren. Seine Befürchtung bewahrheite sich: Er war querschnittsgelähmt.
Nikolai Sommer wurde in die Unfallklinik nach Murnau verlegt. Dort lernte er andere Menschen mit ähnlichem Schicksal kennen. Im Rollstuhl fing er wieder mit Sport an, spielte Basketball, und nach wenigen Monaten fuhr er auch wieder Ski. Nikolai Sommer, der sich in der Zwischenzeit dem Sozialverband VdK angeschlossen hatte, kam ins Para-Skiteam.
Nächster Rückschlag
Neues Ziel: die paralympischen Winterspiele in Peking. Doch bei einem Europacup-Rennen brach er sich die Schulter. Kurz danach erkrankten seine Eltern schwer. Sommer geriet in eine Krise und machte auch keinen Sport mehr.
Der Besuch einer Sportsbar Anfang 2022 in Innsbruck, wo er mit Studienfreunden Fußball schaute, brachte die Wende: Auf der dortigen Tischtennisplatte spielten sie miteinander. Sommer hatte nicht nur Spaß, sondern bewies auch Talent. In einem Tischtennisclub im Innsbrucker Vorort Rum begann er zu trainieren. Er spielte im Team mit Nichtbehinderten, wurde immer besser und nahm in Österreich und Deutschland – seine doppelte Staatsangehörigkeit machte es möglich – an Para-Tischtenniswettbewerben teil. 2024 gewann er bei seinen ersten österreichischen Meisterschaften gleich zwei Titel. Im selben Jahr wurde er in der Bundesrepublik Meister und deutscher Nationalspieler.
Mittlerweile trainiert Nikolai Sommer gleich an mehreren Orten in Deutschland und Österreich: Im oberbayerischen Kolbermoor, rund eine Stunde von seinem Elternhaus im Landkreis Traunstein entfernt, coacht ihn Co-Bundestrainer Michael Fuchs. Außerdem ist er regelmäßig in Salzburg und am Olympiastützpunkt in Düsseldorf, wo er mit den besten deutschen Spielern trainiert.
Die Professionalität in seinem Sport gefällt Nikolai Sommer, auch wenn er seinen Spielstil ständig verändern muss. „Ich habe so ein paar Zauberschläge“, erzählt er. Doch diese soll er sich abgewöhnen und stattdessen die Standardschläge perfektionieren. So übt er manchmal monatelang nur „Konterschläge“, die im Rollstuhltischtennis das A und O sind.

„Ich lerne sehr schnell“
Eine seiner Stärken kommt ihm dabei zugute: „Ich lerne sehr schnell.“ Ein weiteres Plus sind seine Aufschläge: 30 Varianten beherrscht er und bringt damit viele Gegner in Bedrängnis. Sein Trainingseifer hat sich ausgezahlt: Bei den deutschen Meisterschaften im Mai in Sindelfingen errang er Gold im Einzel, im Doppel (mit Thomas Brüchle) und im Mixed (mit Kyra Liepach). Bei internationalen Turnieren gewann er ebenfalls schon mehrere Medaillen.
Auf dem Weg zu den Paralympics 2028 in den USA stehen neben nationalen und internationalen Turnieren eine Welt- sowie zwei Europameisterschaften an. Sommers Chancen, sich für die Spiele zu qualifizieren, sind sehr groß. Für diesen Traum braucht er allerdings noch finanzielle Unterstützung: Auf seiner Externer Link:Webseite „Niko – Road to LA 2028“ wirbt er für Sponsoren. An der Platte gibt er sein Bestes – und ab und zu rutscht ihm noch einer seiner Zauberschläge raus.