Der VdK-Rekordhalter
Seit fast einem halben Jahrhundert ist Anton Breitenbach Vorsitzender des VdK-Ortsverbands Sinngrund (Kreisverband Main-Spessart) in Unterfranken. Damit ist er der dienstälteste Ortsvorsitzende in ganz Bayern.

Der Bautechniker arbeitete mit 19 Jahren als Maurer. Infolge eines schweren Arbeitsunfalls verlor er einen Unterschenkel. Seither trägt er eine Prothese. Freunde und Bekannte rieten ihm damals, Mitglied im VdK zu werden. Breitenbach kannte den Verband von seinem Vater, der Kriegsversehrter war, und trat bei. Das war 1975.
Zwei Jahre später – der Ortsvorsitzende war mittlerweile verstorben – wurde er gefragt, ob er für das Amt kandidieren möchte. Er sagte zu. „Ich hab mir damals keine Gedanken darüber gemacht, ob ich das kann“, erinnert er sich. „Die Mitglieder haben sich gefreut, dass sie jemanden gefunden hatten.“
Wandel des VdK miterlebt
In den 49 Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit hat Breitenbach die Entwicklung des VdK vom Verband für Kriegsopfer zum modernen Sozialverband hautnah miterlebt. „Am Anfang hatte ich das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Denn ich hatte mein Bein ja nicht im Krieg, sondern bei einem Unfall verloren. Das hat sich aber dann im Laufe der Zeit gegeben, und seit Langem gibt es keine solchen Unterscheidungen mehr. Der VdK ist für alle da“, erzählt er.
In den 1980er-Jahren schrumpfte der Ortsverband, sodass zum Beispiel der Tagesausflug eingestellt werden musste. Im darauffolgenden Jahrzehnt stiegen die Mitgliederzahlen wieder. Viele Jüngere kamen neu dazu, darunter zahlreiche Menschen mit Behinderung.
Breitenbach hat auch in seinem Ortsverband miterlebt, dass es nicht mehr so einfach ist, Ehrenamtliche zu finden, die Verantwortung übernehmen. Im Jahr 2007 wurde der Ortsverband Mittelsinn in den VdK Sinngrund integriert, 2020 folgte der Ortsverband Burgsinn. Heute zählt der VdK Sinngrund 330 Mitglieder. Der Vorstand setzt sich aus Ehrenamtlichen aus allen drei Ortsteilen zusammen. „Wir sind ein gutes Team“, erzählt der 70-Jährige. „Die Zusammenarbeit macht viel Spaß.“
In zwei Jahren wird neu gewählt. Breitenbach weiß noch nicht, ob er sich dann noch einmal für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung stellen wird, schließlich wäre er am Ende einer nächsten Amtszeit 76 Jahre alt.
Neben dem Ortsvorsitz hat Anton Breitenbach weitere Ehrenämter beim VdK inne: Seit 1977 sammelt er bei der VdK-Haussammlung „Helft Wunden heilen“ Spenden für Bedürftige. Im Kreisverband war er viele Jahre als Beisitzer tätig, und seit fünf Jahren ist er stellvertretender Kreisvorsitzender.
Außerdem engagiert er sich als VdK-Pflegebegleiter sowie als VdK-Berater für Barrierefreiheit. Der Einsatz für den Abbau von Hindernissen ist ihm wichtig. „Ich bin froh, dass sich da was tut“, sagt er. So war er beispielsweise bei der Sanierung der Bahnstrecke Würzburg–Fulda als Vertreter des VdK in seiner Gemeinde miteingebunden. Über den VdK ist Breitenbach zu einem weiteren freiwilligen Job gekommen: Seit 34 Jahren ist er ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht Schweinfurt.
Ganz vorne dabei
Dass er im VdK Bayern der Ortsvorsitzende mit der längsten Amtszeit ist, war Breitenbach nicht bewusst. „Ich habe mir nur gedacht, dass ich vorne mit dabei bin“, sagt er. Schließlich sei er auch im Kreisverband der dienstälteste Ehrenamtliche.





